Auf dem Weg nach 2036 – Teil 3
Wir alle nutzen mittlerweile ganz selbstverständlich KI. Für Recherchen, Texte, Auswertungen oder Planungen. Zunehmend übernehmen KI-Agenten auch eigenständig Aufgaben und treffen Entscheidungen. Damit wird ihre Zusammenarbeit zu einer wichtigen Frage der KI-Orchestrierung.
🤖 Was mich dabei beschäftigt: Wie gut kennen wir eigentlich die Prozesse, in denen diese Agenten arbeiten sollen?
In meiner Beratung erlebe ich häufig, dass Abläufe zwar funktionieren, aber selten vollständig beschrieben sind. Vieles beruht auf Erfahrung, persönlichen Absprachen und dem Wissen einzelner Mitarbeitender. Menschen gleichen solche Unklarheiten im Alltag oft ganz selbstverständlich aus.
KI-Agenten können das nicht ohne Weiteres. Sie brauchen klare Anweisungen, relevante Informationen und definierte Entscheidungsräume.
🎼 Ich denke dabei an ein Orchester: Jeder Musiker kann sein Instrument hervorragend beherrschen. Aber wenn alle nach unterschiedlichen Noten spielen, entsteht keine gemeinsame Musik.
Und selbst der beste Dirigent braucht eine Partitur.

🔗 Wer dirigiert eigentlich heute?
In Unternehmen ist das gar nicht so eindeutig. Die Geschäftsführung gibt die Richtung vor, Führungskräfte steuern ihre Bereiche, Projekt- und Programmleitungen koordinieren bereichsübergreifende Vorhaben.
Oft hat jeder Bereich seine eigene Partitur: eigene Prozesse, Werkzeuge und Prioritäten. Und jeder Bereich hat seinen eigenen Dirigenten.
Solange alle gut zusammenarbeiten, funktioniert das. Wenn Ziele kollidieren, Zuständigkeiten unklar sind oder Informationen fehlen, wird es schwierig. Dann braucht es Abstimmung, Eskalation und manchmal viel Improvisation.
Nun kommen KI-Agenten hinzu. Jeder Bereich kann eigene Agenten einsetzen, die Aufgaben zunehmend selbstständig erledigen. Der eine plant Ressourcen, der andere überwacht Budgets, ein dritter verändert Termine.
Jeder einzelne Agent kann seine Aufgabe hervorragend erfüllen. Doch wenn alle unabhängig voneinander handeln, drohen widersprüchliche Entscheidungen, Doppelarbeit und Chaos.
Aus vielen kleinen Orchestern entsteht nicht automatisch ein gemeinsames Konzert.
🔎 KI als Chance für bessere Zusammenarbeit
Aber vielleicht liegt genau hier auch eine große Chance.
KI kann helfen, die Schnittstellen zwischen Bereichen zu untersuchen, Abhängigkeiten aufzudecken und gemeinsame Abläufe zu entwickeln. Sie könnte erkennen, wenn die Optimierung eines Prozesses an anderer Stelle neue Probleme verursacht.
Voraussetzung ist, dass sie Zugang zu den relevanten Informationen erhält und Menschen die Ergebnisse fachlich prüfen.
Statt nur die einzelnen Musiker besser zu machen, könnten wir mit KI also auch ihr Zusammenspiel systematisch verbessern.
Dafür müssen wir allerdings bereit sein, nicht nur einzelne Aufgaben zu automatisieren, sondern unsere gewachsenen Prozesse und Zuständigkeiten zu hinterfragen.
Wir sollten nicht einfach unsere heutige Organisation mit KI-Agenten nachbauen. Wir können KI nutzen, um die Organisation selbst besser zu gestalten.
🎼 Fünf Stufen der KI-Unterstützung
Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI? Ich unterscheide fünf Stufen – von der reinen Informationsbereitstellung bis zur Orchestrierung durch KI.

Mit jeder Stufe nimmt die Autonomie der KI zu – und damit steigen die Anforderungen an Prozesse, Regeln und Kontrolle.
Die Stufen müssen nicht nacheinander durchlaufen werden. Je nach Aufgabe und Risiko können unterschiedliche Stufen gleichzeitig sinnvoll sein.
Besonders interessant finde ich den Übergang von Stufe 4 zu Stufe 5. Denn hier geht es nicht mehr nur darum, dass ein Agent selbstständig arbeitet. KI beginnt, die Arbeit anderer KI-Agenten zu koordinieren.
🎶 Wenn die KI den Dirigenten übernimmt
Stellen wir uns vor, ein übergeordneter KI-Agent erkennt, dass sich zwei Projekte dieselben Ressourcen teilen. Er stimmt sich mit den zuständigen Planungsagenten ab, prüft Prioritäten, entwickelt eine Lösung und passt innerhalb seiner Befugnisse die Planungen an.
Der Mensch muss nicht mehr jeden einzelnen Arbeitsschritt koordinieren. Er legt aber weiterhin fest, welche Ziele gelten, welche Entscheidungen die KI treffen darf und wann eine Freigabe oder Eskalation erforderlich ist.
Der Dirigent könnte also künftig selbst ein KI-Agent sein.
Die Partitur bleibt entscheidend: gemeinsame Prozesse, abgestimmte Ziele, klare Berechtigungen und Verantwortlichkeiten.
Und sie muss regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden – denn auch Unternehmen verändern sich.
Auf dem Weg nach 2036
Vielleicht liegt eine der größten Chancen von KI nicht nur darin, einzelne Aufgaben effizienter zu erledigen, sondern unsere Organisationen als Ganzes besser aufeinander abzustimmen.
KI kann uns helfen, bestehende Prozesse zu verstehen, Schnittstellen zu verbessern und gemeinsame Regeln zu entwickeln. Und sie kann zunehmend selbst dafür sorgen, dass die verschiedenen Agenten koordiniert zusammenarbeiten.
KI kann also nicht nur im Orchester mitspielen und es dirigieren. Sie kann uns auch helfen, die Partitur zu schreiben und laufend zu verbessern.
Welche Musik gespielt werden soll und welche Verantwortung wir der KI übertragen, entscheiden weiterhin wir.
Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von KI. Inhalt und fachliche Bewertung liegen bei der Autorin.

